Was war. Was wird.

Das Internet der Dinge

von Andreas Teichmeister

Sie denken sich jetzt vielleicht: „Das habe ich doch schon 1000 x gehört. Jetzt muss ich schon wieder einen Artikel über Kühlschränke lesen, die automatisch Milch nachbestellen, wenn der eigene Vorrat zur Neige geht …“ – aber dieser Artikel liefert eine ganz andere Sichtweise: Er soll Ihnen neben interessanten Denkanstößen und wichtigen Zukunftsfragen auch vermitteln, wie sich der Begriff des „Internet of Things (IoT)“ für den Autor entwickelt und somit seinen Horizont erweitert hat.

Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Bisher konnte ich mit dem Begriff IoT nicht viel mehr anfangen, als das Wissen über die eben genannten „intelligenten“ Kühlschränke oder diese modernen Stromzähler, die bis 2019 in 95% aller österreichischen Haushalte eingesetzt werden sollen. Aber dann begann ich zu recherchieren und tiefer in die Materie abzutauchen: Lassen Sie mich sagen, dass das IoT viel weiter geht, als ich (und vielleicht auch Sie) bisher für möglich gehalten haben! Lesen Sie einfach weiter, dann wissen Sie, was ich meine. Dieser Artikel teilt sich in vier Bereiche auf, die ganz eng mit dem Internet der Dinge verzahnt sind: Die globale Vernetzung, das Ökosystem des IoT, eine neue Gesellschaftsordnung und die nächste industrielle Revolution. Jeder dieser Bereiche wird Ihnen dabei helfen, das Internet der Dinge ein Stück weit besser zu verstehen.

Die globale Vernetzung

Internet of Things

Dieses Thema ist bei Weitem nicht neu, rückt im Kontext des IoT aber weiter in den Vordergrund. Wir Menschen werden in den Medien bereits als „smart“ bezeichnet: Unser alltägliches Leben wird von smarten Dingen gesteuert – oder steuern sie gar uns? Es steckt schon im Namen: Das Smartphone, die Smartwatch, das Smart Home, die smarte City, … wir sind von intelligenten Begleitern umgeben, die uns global miteinander vernetzen: Wir wohnen sogar darin!

Aber was ist der nächste Schritt? In Skandinavien beispielsweise wird Bargeld als eine altmodische Erscheinung wahrgenommen: Als im Jahre 2013 in Schweden ein Räuber eine Bank überfiel, musste er unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil in der Filiale keinerlei Bargeld mehr vorhanden war. Die Notenbank Dänemarks hat bereits angekündigt, dass sie von Ende 2016 an mangels Nachfrage keine neuen Banknoten mehr drucken will. Bei Bedarf übernehme ein externer Dienstleister den Druck. Die digitale Zahlung ist im Vormarsch.

Schöne neue Welt, nicht wahr? Lassen Sie uns aber eines nicht vergessen: Mit diesem Fortschritt kommen auch neue Herausforderungen auf uns zu. Zwei Beispiele aus dem Jahr 2015:

  • Autonome Fahrzeuge, an denen beispielsweise Google unter Hochdruck arbeitet und Fluggeräte wie Drohnen, die Amazon für seine Dienste durch die Lüfte sausen lässt: Kritiker äußern lautstark ihren Unmut, es mangele an den rechtlichen Grundlagen für den Straßen- und Flugverkehr. Denn wer ist verantwortlich, wenn keiner hinterm Steuer sitzt?
  • Smart Meter, also intelligente Stromzähler, bergen Potenzial zur Energieersparnis und erleichtern den Stromanbietern die Planung – argumentieren die Befürworter. Gegner halten dem vor allem Sorgen rund um Sicherheit und Datenschutz entgegen: Zu groß wäre die Gefahr, dass die Verbrauchsgewohnheiten von Herrn und Frau Österreicher ausgespäht werden könnten. Das Wirtschaftsministerium und die Stromanbieter werfen sich gegenseitig den Ball zu und spielen das „Blame Game“. Eine Lösung muss her – und zwar bald.

Sie sehen also: Die globale Vernetzung zieht immer größere Kreise – und wir müssen darauf vorbereitet sein.

Das Ökosystem des IoT

Natürlich stecken hinter dem Internet der Dinge modernste Technologien – aber betrachten wir kurz einmal den Markt an sich. Ich möchte Ihnen nur zwei Denkanstöße mit auf den Weg geben:

  • Marktpotenzial: Hier geht es darum, den Hype um das Internet der Dinge in Produktivität zu verwandeln. Im Jahr 2015 war das IoT laut Gartner auf dem sogenannten „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ und noch weit von einem produktiven Einsatz entfernt. Das ändert aber nichts daran, dass die Umsatzprognosen ausgewählter Studien vielversprechend sind und die gegebenen Herausforderungen gemeistert werden können.
  • Marktstrategien: Wie steigt man in das IoT ein – egal ob als Startup oder etabliertes Unternehmen? Wer sind die Kunden? Und welches Angebot beziehungsweise welche Prozesse machen Sinn?

Fragen über Fragen, die man sich früher oder später stellen wird müssen: Gehören Sie zu den Vorreitern der Branche und erweitern Sie Ihr Wissen! Ein kleiner Tipp: Der letzte Absatz dieses Artikels könnte Ihnen dabei helfen …

Eine neue Gesellschaftsordnung

Ganz im Gegensatz zur Ökonomie des IoT muss man sich auch gesellschaftspolitischen Herausforderungen stellen. Dies beginnt bei sozialen Komponenten wie Produktivität, Privatsphäre, Datenschutz und Sicherheit und umspannt sämtliche Aspekte einer modernen Gesellschaft: Dezentrale Kollaboration, erneuerbare Energien, das Bildungs- und Gesundheitswesen, etc. Dabei entsteht auch eine interessante Fragestellung: Macht das IoT wirklich alles besser?

Das Lager ist gespalten: Während die einen bereits das „Ende der Arbeit“ heraufbeschwören, schwärmen die anderen von den Möglichkeiten, die sich durch diese nächste industrielle Revolution ergeben. Aktuelle Themen, wie das globale Ringen um die Netzneutralität oder der ethische Einsatz von Big Data, rücken immer mehr in den Fokus dieses IoT.

Auch das Thema Terrorismus ist hier allgegenwärtig: Der Cyber-Terrorismus beherrscht einschlägige Medien und verbrecherische Gruppierungen attackieren Infrastrukturen rund um den Globus – und da ist es nicht von Relevanz, ob (wie 2015 mehrfach geschehen) ein Teil der Entertainment-Branche, nationale Institute oder ganze Länder ins Visier genommen werden. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt: Riskieren Sie deshalb auch einen kritischen Blick auf das IoT.

Die nächste industrielle Revolution

Ich möchte das mit einer einfachen Analogie erklären: Die Fastfood Kette McDonald’s kämpft derzeit gegen sinkende Umsätze und bedient Kunden an den wichtigsten Standorten nun direkt am Tisch. Mit mehr Komfort will der Konzern die Menschen so wieder in die Restaurants locken. Das Produktangebot werde entschlackt, die Qualität verbessert und der Service im Allgemeinen schneller und effizienter. McDonald’s werde in drei Jahren auch „deutlich digitaler“ sein – Kunden könnten sich dann zum Beispiel ein individuelles Menü zusammenstellen bzw. können das teilweise schon heute.

Das Beispiel lässt sich auch auf unsere Branche anwenden: Kreativität, Individualität und Qualitätsbewusstsein statt Massenware stehen in Zukunft durch das IoT im Vordergrund. Man öffnet sich vermehrt der Community, um neuen Input zu generieren und kehrt zurück zur lokalen Produktion. Auch die „Open Source“ Bewegung entwickelt sich weiter: Es ist von Open Design, Open Hardware und Open Software die Rede. Entsprechende Organisationen entstehen durch die globale Vernetzung so einfach wie noch nie. Ich lasse Sie jetzt mit diesen Denkanstößen und Ihren Gedanken alleine, aber lassen Sie mich zum Abschluss eines sagen: Jeder dieser Bereiche geht noch viel weiter, wir kratzen hier nur an der Oberfläche!

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