Neulich im Netz: Biografie einer IT-Pionierin

von Hansjörg Münster

Schon einmal bin ich in dieser Kolumne auf die Rolle der Frauen in der Frühzeit der IT eingegangen. Aus Anlass zum kürzlich begangenen Frauentag, gibt es hier ein Portrait einer dieser Pionierin: Evelyn Berezin.

Geboren 1925 in New York hatte sie es schwer ihre Ausbildung voranzutreiben. Als Frau und aus armen Verhältnissen gelang es ihr nicht, an einer staatlichen Universität aufgenommen zu werden. Erst im zweiten Weltkrieg, als die Männer an die Front mussten, gelang es ihr einen Platz in einem Abendkurs zu bekommen und studierte Mathematik, Physik und Chemie. In dieser Zeit arbeitete sie von 8:00 bis 17:00, die Kurse besuchte sie von 18:00 bis 22:00. Die Stunde dazwischen brauchte sie für die Fahrt mit der U-Bahn, in der sie ihre Aufgaben erledigte. 1946 erhielt sie ihren Abschluss in Physik und begann ihre Doktorarbeit mit einem Studium der Teilchenphysik.

Allerdings hatte sie bei ihrer Jobsuche als Physikerin kein Glück, allerdings kam sie mit der jungen Firma „Electronic Computer Corporation“ in Kontakt. Mit den ersten Schaltkreisen und Röhren kannte sie sich aus und wurde als „Logik-Designerin“ eingestellt. 1957 wurde die „Electronic Computer Corporation“, die inzwischen verkauft worden war, geschlossen und alle Mitarbeiter wurden gekündigt.

Bei der Firma „Teleregister“ fand Evelyn einen neuen Job und entwickelte dort einen Computer, der nur mehr Transistoren und keine Röhren mehr verwendete. Als Speicher dienten aber weiterhin Trommeln. Dieser Computer wurde bereits bei Banken, bei der Börse und bei Reservierungssystemen für Airlines verwendet. Dieses System war für „United Airlines“ 11 Jahre lang im Einsatz und 60 Städte mit dem Server in Denver.

Als nächste wechselte sie zur Firma „Digitronics“, welche von ihren ehemaligen Kollegen bei der „Electronic Computer Corporation“ gegründet wurde. Dort arbeitete sie sich bis zur Vizepräsidentin hoch. Da ihr weitere Karriereschritt nicht möglich waren, machte sie sich selbständig und gründete 1969 ihre eigene Firma: die „Redactron Corporation“.

Berühmt wurde die erste Textverarbeitung – eine Kombination aus Hardware und Software – die diese Firma 1971 unter dem Namen „Data Secretary“ auf den Markt brachte. Es war ein Schrank, in dem der Computer mit seinen 13 Mikrochips verbaut war. Auf dem Schrank war eine elektrische Schreibmaschine (von IBM) verbaut. Die Kapazität lag bei 12 Seiten je Dokument. Das Gerät kostete bis zu 8.000$ und wurde tausende Male verkauft.

Evelyn verkaufte ihre Firma in der Wirtschaftskrise der 70er Jahre um 25 Million Dollar an die Burroughs Corporation, aus der dann später Unisys hervorging.

Evelyn war 53 Jahre mit ihrem Mann, dem Chemiker Israel Wilenitz verheiratet, den sie während ihrer Studienzeit kennenlernte. Im Jahr 2018 starb Evelyn im Alter von 93 Jahren.

 

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SEQIS Autor Hansjörg Münster

Hansjörg Münster

Principal Consultant, Teamlead
IT Analyse, Softwaretest, Projektmanagement

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