Quality Assurance als Vertrauensanker: Warum Testen mehr ist als Fehlersuche

von Tanja Huber

Quality Assurance als Vertrauensanker: Warum Testen mehr ist als Fehlersuche

Quelle: Von Autorin gezeichnet

Quality Assurance, im Deutschen “Qualitätssicherung” (folglich abgekürzt mit QA), wird oft fälschlicherweise als reine Fehlersuche angesehen. Am Ende eines Projektes kommt der Tester, prüft das Produkt auf Herz und Nieren und segnet es nach getaner Arbeit ab. Wahre QA ist aber weit mehr als das einfache Aufspüren von Bugs, Fehlern und Fehlzuständen. Sie ist auch keinesfalls erst am Ende eines Projektes. Zunächst einmal sehen wir uns die aktuelle Definition von Qualitätssicherung gemäß ISTQB an.

Aktivitäten, die darauf fokussieren, Vertrauen in die Erfüllung der Qualitätsanforderungen zu erzeugen. 1

Wir sehen: Schon die offizielle Definition des Begriffs legt fest, dass Quality Assurance darauf abzielt, Vertrauen in Qualität zu schaffen. Bereits in ihrer Definition soll QA ein Vertrauensanker sein. Diese Rolle wird vom Tester übernommen. Doch wie genau wird dieses Vertrauen aufgebaut? Der folgende Artikel beleuchtet diese Frage.

Abbildung 1: Dramatisierung eines traditionellen Testers

Was macht ein Tester überhaupt? Und wie hat sich das Bild des Testers im Laufe der Jahre geändert?

Gemäß ISTQB ist die Rolle des Software-Testers das Evaluieren von Arbeitsergebnissen gemäß Anforderungen, das Finden von Fehlern, das Verringern von Risiken einer unzureichenden Softwarequalität, das Verifizieren bezüglich rechtlicher Rahmenbedingungen und… vor allem: Das Aufbauen von Vertrauen in die Qualität der Software. Denn: Testen (an der richtigen Stelle eingesetzt) ist ein kosteneffizientes Mittel, Fehlerzustände zu entdecken und zu beseitigen, bevor sie zu einem Problem werden können. Mittels der Planung, der Erstellung und der Durchführung von Tests kann ein Tester diese Aufgaben erfüllen.

Traditionell wurde der Tester oft als bloßer „Gatekeeper“ am Ende der Kette gesehen – ein Hindernis, das Fehler findet und kurz vor dem Release für Stress sorgt. Doch dieser Fokus auf reine Fehlersuche ist schwer messbar und sagt wenig über die eigentliche Produktgüte aus.

Das Bild und die Rollen und Aufgaben eines Testers haben sich gewandelt. Das Stichwort ist “Shift Left”. Der moderne Tester begleitet von Beginn an alle Phasen mit und trägt aktiv zur Sicherung hoher Qualität bei. Fehler sollen vermieden werden, statt sie später erst zu finden. Dadurch können potenzielle Fehler frühzeitig identifiziert und behoben werden - noch bevor sie in den Code einfließen.

Doch am wichtigsten: In der modernen Wahrnehmung des Rollenbildes eines Testers arbeitet der Tester von Anfang an mit dem gesamten Team zusammen und schafft diverse Präventionen für möglichst wenig Fehler und möglichst hohe Qualität. Das gesamte Team ist für ein erfolgreiches Projekt notwendig und zieht an einem Strang, um ein erfolgreiches Produkt zu erschaffen. Mit regelmäßigen Tests bietet der Tester einen transparenten Einblick in den aktuellen Qualitäts- und Fortschrittsstatus des Produktes oder des Projektes, wodurch auch frühzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden können, sobald Probleme erkannt werden.

Abbildung 2: Quality Assurance ist Teamarbeit - Alle tragen zum Erfolg bei

Wie entsteht das Vertrauen? Durch das Mindern von Ungewissheit! Durch Bereitstellen von entscheidenden Informationen!

Ein stabiles Vertrauen entsteht durch die Reduktion von Ungewissheit. Eine vollständige Eliminierung von Risiken ist eine Illusion und wird nie erreichbar sein. Bei der Aufgabe des Testers geht es vielmehr darum, diese Risiken transparent und handhabbar zu machen. Jedes gefundene Risiko liefert wichtige Informationen für fundierte Entscheidungen. Durch die präzise Bewertung dieser Risiken können Projektverantwortliche und das Management entscheiden, ob ein bekanntes Risiko akzeptiert, gemindert, oder durch zusätzliche Entwicklungs- oder Testaufwände beseitigt werden muss oder transferiert werden kann, bevor es zu einem kritischen Vertrauensverlust beim Endnutzer führt. QA ist somit nicht nur ein Kontrollmechanismus, sondern ein integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette, der die Zuverlässigkeit und Marktfähigkeit des Produkts direkt beeinflusst.

Des Weiteren liefert QA dem Management eine objektive Entscheidungsgrundlage für beispielsweise Release-Termine. Ein solcher Termin wird nicht mehr durch „Bauchgefühl“ und “sollte schon passen” entschieden, sondern durch messbare Fakten (Testabdeckung, Kritikalität und Anzahl offener Fehler, usw.). Das schafft Vertrauen im Management in die Release-Entscheidung.

QA als Vertrauensanker bedeutet letztlich, Unsicherheit durch Wissen zu ersetzen. Für das Management bedeutet das: Weg vom riskanten Hoffen, hin zu einer fundierten Release-Entscheidung basierend auf echten Daten. Für das Team bedeutet es: Die Sicherheit, dass mutige Innovationen durch ein stabiles Qualitätsnetz abgesichert sind. Und für den Endbenutzer, dass ein funktionierendes Produkt zur Verfügung steht. So wird QA zum Fundament, auf dem alle Beteiligten – vom Entwickler bis zum Endanwender – stabil stehen können.

Quellen und weiterführende Informationen

1 https://glossary.istqb.org/de_DE/term/qualitatssicherung

https://www.austriantestingboard.at/wp-content/uploads/2023/09/CTFL_Lehrplan_DE.pdf

Ein besonderes Highlight:

Alle Abbildungen dieses Beitrags wurden mit viel Talent und Hingabe von der Autorin selbst entworfen und gezeichnet.

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