Softwaretest nun auch im All!

Interessante Presseaussendung der TU Graz

von Hansjörg Münster

Softwaretest im All

Diesmal hat eine Presseaussendung der TU Graz meine volle Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Die TU Graz wurde von der ESA beauftragt einen Nano-Satelliten zu bauen um Software im Weltraum zu testen. Die 2,4 Mio. schwere Mission nennt sich „OPS-SAT“, soll 2017 ins All starten und hat das Ziel, Weltraumsoftware direkt im orbitalen Flug risikoarm zu testen.

Aus Gründen der Zuverlässigkeit waren Neuerungen auf diesem Gebiet bislang ein Tabu. In der Raumfahrt und in der Satellitentechnologie wurde immer auf „Bewährtes“ gesetzt. So werden auch heute noch Prozessoren der 486-Generation verwendet, weil diese in vielen Situationen ihre Weltraumtauglichkeit bereits unter Beweis stellen konnten und als besonders zuverlässig gelten. Kein Unternehmen möchte das hohe finanzielle Risiko im dreistelligen Millionenbetrag tragen, um eine noch nicht getestete Hardware einzusetzen.

Ähnlich verhält es sich natürlich auch bei dem Einsatz der Software. Eine neue Version der Software, die sich sprichwörtlich „on the fly“ befindet, direkt auf einem im All rotierenden Satelliten zu installieren ist ein gefährliches Unterfangen. Entscheidungsträger möchten die Verantwortung dafür nicht übernehmen. Somit sind jedoch nach Abschuss der Raketen ins All keine oder kaum mehr Änderungen an der Software möglich. Ein Defekt, der nach dem Start ins Universum entdeckt wird, könnte Kosten in unermesslicher Höhe verursachen. Auf festem Grund und Boden ist es da schon einfacher: Schnell einen Hot-Fix erstellt, eine Nachtschicht der Tester für einen Regressionstest eingeschoben und das Deployment auf Produktion lösen das Problem. Aber jetzt mit OPS-SAT - der Start ist für 2017 vorgesehen - kommt ein Testlabor ins All. Dieses hat die Aufgabe, aktuelle Hardware im Weltall zu evaluieren und neue Software und neue Softwareverfahren (z.B.: Installation neuer Versionen) zu testen.

Gratulation an die TU Graz: Durch ihre überragende Kompetenz haben es die Wissenschaftler geschafft, dieses zukunftsweisende Projekt zu gewinnen. Damit wird das Ende der heute noch gelebten Standards aus den 1980er-Jahren in der Weltraum-IT-Technologie eingeläutet. Und wer weiß, vielleicht kann man in Zukunft an der TU Graz einen neuen Kurs als All-Softwaretester absolvieren: Certified Professional Space Software Tester - CPSST?

 

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SEQIS Autor Hansjörg Münster

Hansjörg Münster

Principal Consultant, Teamlead
IT Analyse, Softwaretest, Projektmanagement

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